Zwangsarbeit 1939-1945


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Nationalsozialistische Lager - Hintergrundinformationen

 

Die interviewten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen waren zumeist in verschiedenen Kategorien von nationalsozialistischen Lagern untergebracht bzw. inhaftiert: Nach ihrer spezifischen Funktion zu unterscheiden sind Vernichtungslager, Konzentrationslager, KZ-Außenlager, Arbeitserziehungslager, Ghettos, Kriegsgefangenenlager und "zivile“ Zwangsarbeiterlager.

Die Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka oder Sobibor dienten dem planmäßigen Völkermord. Die Opfer waren Millionen Jüdinnen und Juden und mehrere Hunderttausend Sinti und Roma. Die Täter kamen primär aus den Reihen von SS und der SD; verantwortlich waren aber auch staatliche Institutionen wie die Reichsbahn, die die Menschen in die Lager transportierte, und private Unternehmen wie die Firma Topf & Söhne, Erbauer der Krematoriumsöfen.

Die Konzentrationslager dienten der Inhaftierung, Absonderung und Ausbeutung, der Erniedrigung und Einschüchterung. Anders als die im besetzten Polen eingerichteten Vernichtungslager befanden sich die meisten der über 20 Stammlager im Reichsgebiet – am bekanntesten sind Dachau, Sachsenhausen, Buchenwald und Ravensbrück. Zu den Häftlingen – Männer, Frauen und Kinder – zählten politische Gegner, Homosexuelle, Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, "Asoziale" oder "Kriminelle". Diese Unterscheidungen sind freilich von der SS definierte Herrschaftskategorien, die unter anderem dazu dienten, die mit verschiedenfarbigen Winkeln stigmatisierten Häftlingsgruppen gegeneinander auszuspielen. Weniger als 10 % der rund 700 000 Inhaftierten waren Deutsche. Verantwortlich war auch hier die SS, speziell die Inspektion der Konzentrationslager und das Wirtschaftsverwaltungshauptamt in Oranienburg, aber auch die Wehrmacht, die zunehmend Bewachungsaufgaben übernahm. Unternehmen wie IG Farben, Heinkel und Siemens errichteten ab 1941 in den Lagern Fabriken, ab 1943 Lager in ihren Werken.

Seit 1943 entstanden im Deutschen Reich über 1 000 KZ-Außenlager und -Außenkommandos, in denen KZ-Häftlinge für die SS sowie für staatliche und private Betriebe Zwangsarbeit leisteten. Es gab unterschiedliche Kategorien von Außenlagern. Neben den kleineren SS-Kommandos in Werkstätten und bei Hilfsarbeiten standen Bombensuch- und Reparaturkommandos, Außenlager in der Rüstungsproduktion (Siemens, Daimler, BMW etc.) und – am mörderischsten – Außenlager in Untertage-Baustellen (Organisation Todt, Hochtief etc.). Die meisten Häftlinge hielten sich in Außenlagern auf; die KZ-Stammlager dienten nur noch der Registrierung, Verwaltung und Quarantäne der Häftlinge sowie als Sterbelager; hier suchten sich die Firmen ihre Häftlinge aus, wurden die Aufseher und Aufseherinnen ausgebildet.

Arbeitserziehungslager waren eine Art "Kurzzeit-KZ" zur Disziplinierung sogenannter "Arbeitsscheuer", vor allem von ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Die nicht von der SS, sondern von regionalen Gestapostellen eingerichteten Straflager vermieteten ihre meist nur für einige Wochen inhaftierten Häftlinge privaten Firmen zur Zwangsarbeit. Insgesamt gab es rund 200 Arbeitserziehungslager.

Die Ghettos dienten – als Zwischenstation zur Vernichtung – der Absonderung und Ausbeutung der deportierten Juden. In Theresienstadt, Lodz, Warschau, Riga und über 600 anderen Städten wurden zeitweise rund vier Millionen Juden in Ghettos eingepfercht. Verantwortlich waren die Besatzungstruppen und die Polizei, die sich der "Judenräte" bedienten, sowie zahlreiche Privatfirmen wie etwa Neckermann, die im Ghetto Lodz billig produzieren ließen.

Die Kriegsgefangenenlager wurden von den Wehrmachtsdienststellen betrieben. Außer den Sammel- und Durchgangslagern kurz hinter der Front gab es in jedem Wehrkreis mehrere Oflags (Offizierlager) und Stalags (Stammlager für Mannschaftsdienstgrade und Unteroffiziere) sowie Tausende von Arbeitskommandos bei Firmen und in der Land- und Forstwirtschaft. Über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene ließ die Wehrmacht bewusst verhungern. Etwa zwei Millionen Kriegsgefangene leisteten Zwangsarbeit für die deutsche Kriegswirtschaft, darunter ab 1943 auch 600 000 Italienische Militärinternierte.

Zahlenmäßig noch gewichtiger waren die Zivilarbeiterlager. Rund 5,7 Millionen "zivile" Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus 20 europäischen Ländern lebten im Sommer 1944 im Deutschen Reich. Ein Drittel waren Frauen; die größten nationalen Gruppen waren die 2,1 Millionen "Ostarbeiter" aus der Sowjetunion und die 1,7 Millionen Menschen aus Polen. Viele der Verschleppten waren Jugendliche, sogar neunjährige Kinder. In Westeuropa wurden die Menschen meist nach Deutschland dienstverpflichtet. Aus der Sowjetunion wurden 1942 pro Woche 40 000 Menschen von der Straße weg verschleppt. Reichsweit gab es über 30 000 Zivilarbeiterlager – zugige und verwanzte Baracken oder überfüllte Gaststätten, Fabrikhallen und Bootsschuppen.

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