Berliner Digital Humanities Preis für das digitale Interview-Archiv des CeDiS

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

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Die auf der Preisverleihung anwesenden Mitglieder des Projektteams

Die auf der Preisverleihung anwesenden Mitglieder des Projektteams

News vom 27.06.2018

Das digitale Interview-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945. Erinnerungen und Geschichte“ und die dazugehörige Lernplattform „Lernen mit Interviews“ wurden am 26. Juni mit dem Berliner DH-Preis 2018 ausgezeichnet.

„Zwangsarbeit 1939-1945“ erinnert an über zwanzig Millionen Menschen, die für das nationalsozialistische Deutschland arbeiten mussten. 590 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus 26 Ländern erzählen ihre Lebensgeschichte in ausführlichen Audio- und Video-Interviews. Die an der Freien Universität transkribierten, übersetzten und umfassend erschlossenen Interviews sind nach einer Registrierung in einem Online-Archiv zugänglich. Über Register-, Volltext- und Kartensuche können punktgenau Stellen in den mehrstündigen, vielsprachigen Audio- und Video-Interviews angesteuert werden. Für Schulen entwickelte das CeDiS die mehrsprachige Online-Anwendung „Lernen mit Interviews“. Diese interaktive Plattform vermittelt den Schülerinnen und Schülern in Deutschland, aber auch in Tschechien, Russland und Polen, nicht nur die Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit, sondern auch quellenkritische und mediale Kompetenzen.

Das in den digitalen Geschichtswissenschaften, speziell der Oral und Visual History verortete Projekt „Zwangsarbeit 1939-1945“ liefert mit den vielfältigen Recherchemöglichkeiten und der didaktisch avancierten Lernumgebung eine innovative Anwendung der Digital Humanities: Audiovisuelle Quellen und narrative Daten werden auf neuartige Weise für Forschung, Lehre und Bildung multimedial zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Forschungsprojekte und Lehrveranstaltungen der Freien Universität, etwa im Bereich Osteuropaforschung, Judaistik oder Geschichtsdidaktik verwenden das erschlossene Material. Als neuer Bereich der Universitätsbibliothek der Freien Universität setzt das CeDiS die entwickelte Technologie auch für andere Interview-Sammlungen ein, etwa zur deutschen Okkupation in Griechenland. Die Entwicklung und Bereitstellung einer Softwareumgebung zur Aufbereitung und Analyse multimedialer Forschungsdaten im Umfeld von Interviewsammlungen sowie die Erarbeitung von multimedialem Lernmaterial für das historische Lernen sind Kernbestandteile des Vorhabens.

Das Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945. Erinnerungen und Geschichte“ sowie die Lernplattform „Lernen mit Interviews“ werden mit Mitteln der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) gefördert.

Der Interdisziplinäre Forschungsverbund Digital Humanities in Berlin (if|DH|b) schafft ein Forum zur Stärkung der gemeinsamen Interessen in Forschung, Lehre und nachhaltiger Datenbereitstellung über die etablierten Fach- und Organisationsgrenzen hinweg. Mit dem Berliner DH-Preis, der seit 2015 verliehen wird, zeichnet der if|DH|b herausragende Berliner Projekte im Bereich der Digital Humanities aus. Der Preis wurde im Rahmen einer öffentlichen Festveranstaltung am 26. Juni 2018 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) verliehen.

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