Veranstaltung anlässlich des 75. Jahrestages der Polen-Erlasse

Am 12. März 2015 organisierten das Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin sowie das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften (CBH PAN Berlin) in Kooperation mit der Berliner Geschichtswerkstatt e.V. und der Stiftung Topographie des Terrors/ Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit eine Veranstaltung anlässlich des 75. Jahrestages der Polen-Erlasse. Der Mittschnitt der Vorträge kann hier angesehen werden:

Veranstaltung am CBH PAN Berlin. Begrüßung: Prof. Dr. Robert Traba, Referenten: Dr. Katarzyna Woniak, Ewa Czerwiakowska, Dr. Cord Pagenstecher, Dr. Kurt Schilde, Dauer: 30:44.

Heinrich Himmlers Polen-Erlasse vom 8. März 1940 schufen ein rassistisches Sonderrecht für Millionen von polnischen Zwangsarbeitern. Sie mussten besondere Abzeichen tragen, zahlreiche Schikanen und eine brutale Gestapo-Kontrolle erdulden. Die Kennzeichnungspflicht durch den Buchstaben „P“ an der Kleidung – eine erste sichtbare Stigmatisierung von Menschen im nationalsozialistischen Deutschland – diente der Ausgrenzung der Polen aus der sog. „Volksgemeinschaft“. Polnische Zwangsarbeiter durften grundsätzlich keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, weder Kirchen noch Gaststätten besuchen, nicht fotografieren oder Fahrrad fahren. Private Kontakte mit Deutschen führten nicht selten zu KZ-Haft oder gar Todesstrafe.

Die Polen-Erlasse waren ein zentrales Instrument der nationalsozialistischen Bürokratie, um rassistische Ausgrenzung und ökonomische Ausbeutung miteinander in Einklang zu bringen. Dem Vorbild des P-Abzeichens folgte 1941 der Judenstern und 1942 das für sowjetische Zwangsarbeiter vorgeschriebene OST-Abzeichen. In der öffentlichen Erinnerung sind die Erlasse heute kaum präsent.

Die Historikerin Dr. Katarzyna Woniak führte in den historischen Kontext und die juristische Praxis der Polen-Erlasse ein. Die Publizistin Ewa Czerwiakowska und CeDiS-Mitarbeiter Dr. Cord Pagenstecher präsentierten die Erinnerungsberichte polnischer Zwangsarbeiter in einem Hörstück mit Ausschnitten aus dem an der Freien Universität Berlin angesiedelten Online-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“ und der von der Berliner Geschichtswerkstatt erstellten Zeitzeugen-App. Der Historiker Dr. Kurt Schilde berichtete über die „Sozialausgleichsabgabe“ und die Biographie eines der an den Erlassen beteiligten Finanzbürokraten.

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