Interview mit Dr. Éva Kovács

Soziologie, Oral History und Holocaust in Ungarn - Zeitzeugen-Interviews und ihre Nutzung

Dr. Éva Kovács ist Kulturanthropologin (Senior Research Fellow) am Institut für Soziologie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest. Sie spricht im Interview über ihre verschiedenen Interviewprojekte wie „Stimmen des 20. Jahrhunderts“, das Studierendenprojekt „Rescape“ und ihre Interviews für das Online-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945. Erinnerungen und Geschichte“ in Ungarn und der Slowakei. Insbesondere die Erinnerung an die Shoah in Ungarn und ihre Interviews mit überlebenden ungarischen jüdischen Zwangsarbeitern sind weitere Schwerpunkte dieses Gesprächs.

Zur Person:

Éva Kovács wurde am 6.5.1964 in Ungarn geboren. Nach dem Studium der Soziologie legte sie an der University of Economic Science in Budapest (heute Corvinus University of Budapest) den M.A. in Wirtschaft und Soziologie ab. Sie promovierte 1994 zum Thema „Jüdische Identität in der Slowakei zwischen den Weltkriegen“. Stationen ihres wissenschaftlichen Werdegangs waren Professuren u.a. an der Janus Pannonius Universität in Pécs und an der ELTE Universität in Budapest.

Sie war am 2003 abgeschlossenen internationalen MSDP-Projekt („Mauthausen Survivors Documentation Project") beteiligt, das die Erinnerungen der noch lebenden Häftlinge des KZ-Systems Mauthausen dokumentiert. Als Projektleiterin war sie für die Teilsammlungen „Ungarn –TLI Budapest (Teleki László Institut)“ und „Slowakei – TLI Budapest“ des Online-Archivs „Zwangsarbeit 1939-1945. Geschichte und Erinnerungen“ verantwortlich.

Éva Kovács  arbeitet seit 2006 als Kulturanthropologin (Senior Research Fellow) am Institut für Soziologie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören u.a. die Themen Immigranten, Kultur, Gender, Roma, Sklaven- und Zwangsarbeiter.

Zum Interview:

Ort: Berlin
Datum: 03.08.2012
Interviewerin: Dr. Sylvia Rogge-Gau
Kamera und Schnitt: Karsten Prühl
Bearbeitung: Dr. Sylvia Rogge-Gau

Literaturauswahl:

  • Kovács, Éva/ Gárdos, Judit: Das Projekt Rescape in Ungarn: Fliehen und zurückkommen, in: Apostolopoulos, Nicolas/ Pagenstecher, Cord (Hrsg.): Erinnern an Zwangsarbeit. Zeitzeugen-Interviews in der digitalen Welt. Berlin: Metropol 2013, S. 199-202.
  • Innocent Culprits – Silent Communities. On the Europeanization of the Memory of the Holocaust in Austria, in: Khazanov, Anatoly M. und Payne, Stanley (Hrsg.), Perpetrators, Accomplices and Victims in Twentieth-Century Politics. Reckoning with the Past, London, New York 2009, S. 66-77.
  • Die Erfahrungen ungarischer Zwangs- und Sklavenarbeiter, in: Plato, Alexander von / Leh, Almut / Thonfeld, Christoph (Hrsg.), Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich, Wien u.a. 2008, S. 113-124.
  • Juden und Holocaust in der ungarischen Erinnerungskultur seit 1945, (Mit Seewann, Gerhard), in: Rotholz, Walter und Berglund, Sten (Hrsg.), Vom Symbol zur Realität. Studien zur politischen Kultur des Ostseeraumes und des östlichen Europas, Berlin 2008.