1. September 1939: Der Überfall auf Polen

Drei Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten, wie sie den Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 erlebt haben.

Das folgende Video zeigt Ausschnitte aus lebensgeschichtlichen Interviews mit ehemaligen Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, zwei Männern aus Lodz und einer Frau aus Ostpolen. Für sie war der 1. September 1939, wie für viele polnische Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus dem Online-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“, der Beginn von Deportation, Verfolgung und Zwangsarbeit.

1. September 1939: Überfall auf Polen, Ausschnitte aus den Video-Interviews mit Leon W. (jüdischer KZ-Häftling aus Lodz / Polen), Bolesław Z. (ehemaliger Zwangsarbeiter aus Lodz / Polen) und Tosia S. (jüdische KZ-Überlebende aus Ostpolen), Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", Dauer 10:33 Minuten, Schnitt: Malte Luehrs, Tobias Kilgus, © Freie Universität Berlin 2010

1. September 1939: Überfall auf Polen

Mit dem Überfall der Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Bereits eine Woche später stand das deutsche Militär kurz vor Warschau. Gemäß dem Hitler-Stalin-Pakt besetzte die Rote Armee den östlichen Teil Polens. Polen wurde unter den Siegern, Deutschland und der Sowjetunion, aufgeteilt. Mit der Wehrmacht zogen deutsche Arbeitsämter nach Polen ein; rasch begann die Verpflichtung und Verschleppung polnischer Männer und Frauen zur Zwangsarbeit nach Deutschland. Ghettos wurden eingerichtet; das Wartheland, Westpreußen und das Generalgouvernement wurden zum Schauplatz von Massakern und Vertreibungen.

Literatur:

  • Tomasz Szarota, 1939: Der Beginn des Zweiten Weltkrieges, Deutschlands Expansion und die Zerstörung des polnischen Staates, in: Stereotype und Konflikte. Historische Studien zu den deutsch-polnischen Beziehungen, hg. v. Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften und dem Deutsch-Polnischen Magazin DIALOG, Osnabrück 2010, S. 231-246

  • Jochen Böhler, Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939, Frankfurt 2006

  • Erinnerung bewahren. Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939-1945. Zachowac pamiec. Praca przymusowa i niewolnicza obywateli polskich na rzecz Trzeciej Rzeszy w latach 1939-1945. Zweisprachiger Ausstellungskatalog, hrsg. v. d. Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung und dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide, Warschau, Berlin 2007

Biografische Daten

Leon W., jüdischer KZ-Häftling aus Lodz / Polen

  • 9. Januar 1925: Geburt in Lodz

  • 1939: Einlieferung ins Lodzer Ghetto

  • 1944: Deportation zur Zwangsarbeit nach Czestochova, Polen

  • Anschließend Deportation nach Buchenwald und erneute Zwangsarbeit für das Zahnradwerk G.E. Reinhardt im Außenlager Sonnenberg

  • 1945: Befreiung durch amerikanische Truppen und Rückkehr nach Lodz

  • 1949: Emigration nach New Haven, USA

Bolesław Z., ehemaliger Zwangsarbeiter aus Lodz / Polen

  • 1923: geboren in Lodz

  • Juni 1940: Erste Deportation zur Zwangsarbeit im Ruhrbergbau bei Gelsenkirchen

  • Juni 1942: Arbeitsunfall, der die Rückkehr nach Lodz ermöglicht. Erneute Verpflichtung zur Zwangsarbeit

  • Bis August 1944: Zwangsarbeit bei AEG in Lodz. Danach Evakuierung mit dem Betrieb nach Glatz in Schlesien

  • März 1945: Zweite Evakuierung des Werks nach Thüringen. Anschließend Rückkehr nach Lodz über Glatz

  • Seit den 1980er Jahren aktiv in Opferverbänden ehemaliger AEG-Zwangsarbeiter

  • 2000er Jahre: Teilnahme an dem Projekt der Berliner Geschichtswerkstatt „Zwischen Lodz und Berlin. Schicksale der ehemaligen Zwangsarbeiter“

  • 4. Juli 2007: Tod von Bolesław Z.

Tosia S., jüdische KZ-Überlebende aus Ostpolen

  • 1929: Geburt in Zaleski, Polen (heute: Ukraine)

  • 1935: Umzug nach Horodenka, Polen (heute: Ukraine)

  • Oktober 1941: Einlieferung ins Ghetto Horodenka

  • Frühling 1943: Deportation ins Arbeitslager Lisowice zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft

  • 28. März 1944: Befreiung durch die Rote Armee. Anschließend kurze Rückkehr in ihre Heimatstadt

  • Bis März 1949: Aufenthalt im Amerikanischen Sektor in Deutschland. Anschließend Emigration nach Peekshill, New York, USA