1. August 1944: Warschauer Aufstand und Zwangsarbeit

Am 1. August 1944 begann der Warschauer Aufstand. Eine Zeitzeugin und ein Zeitzeuge berichten von der polnischen Erhebung und ihren Folgen.

Das folgende Hörstück präsentiert Ausschnitte aus lebensgeschichtlichen Interviews mit zwei Menschen, die 1944 am Warschauer Aufstand beteiligt waren und in der letzten großen Deportationswelle zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden: Alicja K. in ein Konzentrationslager, Zbigniew D. zu einer Fabrik. Ihre Geschichten stehen für Schicksale unzähliger Einwohner der polnischen Hauptstadt.

Vom Warschauer Aufstand zur Zwangsarbeit, Ausschnitte aus den Audio-Interviews mit Alicja K. (KZ-Überlebende aus Warschau) und Zbigniew D. (ehemaliger Zwangsarbeiter aus Warschau), Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", Dauer 15:43 Minuten, Foto von Alicja K.: Instytut Teatralny im. Zbigniewa Raszewskiego, Warszawa, Schnitt: Tobias Kilgus, Cord Pagenstecher, Ewa Czerwiakowski © Freie Universität Berlin 2014

Vom Warschauer Aufstand zur Zwangsarbeit

Am 1. August 1944 begann im deutsch besetzten Warschau der bewaffnete Aufstand der polnischen Untergrundarmee. Der Kampf gegen die weit überlegenen deutschen Truppen wurde aktiv unterstützt von der Zivilbevölkerung. Er dauerte 63 Tage und war eine der brutalsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs: 18.000 aufständische Soldaten fielen, und rund 180.000 Zivilisten wurden von SS-Einheiten und ihren Hilfsverbänden ermordet. Während der Kämpfe und nach der Niederschlagung der Erhebung kam es zu einer beispiellosen Vertreibung der ganzen Stadtbevölkerung. Etwa 150.000 Warschauerinnen und Warschauer wurden nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt, 60.000 bis 80.000 in Konzentrationslager eingeliefert. Im Herbst 1944 war Warschau eine menschenleere Ruinenwüste, auf Hitlers Befehl systematisch dem Erdboden gleichgemacht.

Literatur und Links

Biografische Daten

Alicja K., KZ-Überlebende aus Warschau

  • 1927: geboren in Warschau
  • 1939: Beginn der deutschen Besatzung und Verarmung der Familie
  • August 1944: Teilnahme am Warschauer Aufstand
  • anschließend Deportation über das Durchgangslager 121 Pruszków und das KZ Großrosen in das KZ Ravensbrück
  • Herbst 1944 bis Frühjahr 1945 Haft und Zwangsarbeit im KZ-Außenlager Ludwigsfelde-Genshagen (Daimler-Benz-Motoren GmbH)
  • Mai 1945: Befreiung durch amerikanische Truppen bei Parchim nach zweiwöchigem Todesmarsch
  • Rückkehr nach Polen
  • Interview za210 »
  • Dauer: 3:58 Stunden, Datum: 22.11.2005, 8.3.2006, Sprache: Polnisch

Zbigniew D., ehemaliger Zwangsarbeiter aus Warschau

  • 1929: geboren in Warschau
  • 1939: Beginn der deutschen Besatzung, Kontakte zur jüdischen Bevölkerung
  • ab 1943: Teilnahme an geheimem Unterricht, als Pfadfinder aktiv
  • vom 1. August bis Anfang September 1944 Kämpfer im Warschauer Aufstand
  • anschließend Deportation über das Durchgangslager 121 in Pruszków, das KZ Sachsenhausen und das KZ Buchenwald nach Braunschweig
  • Arbeit in einer Fabrik für Gemüseverarbeitung in Braunschweig
  • April 1945 Flucht aus Braunschweig, Befreiung bei Hannover
  • November 1945 Rückkehr nach Polen
  • seit den 1990er Jahren Tätigkeit im Verband der ehemaligen Kämpfer des Warschauer Aufstands
  • Interview za204 »
  • Dauer: 6:55 Stunden, Datum: 20.5.2005, 1.6.2005, 7.6.2005, Sprache: Polnisch