Didaktische Hinweise zum Online-Einstieg Ruhrgebiet

Dieses Online-Angebot unterstützt die Vorbereitung eines Projekttags zur Zwangsarbeit, zum Beispiel in der Gedenkhalle Oberhausen. Hier finden Sie Informationen über die technischen und zeitlichen Voraussetzungen und didaktische Hinweise.

Zielgruppe und didaktischer Ort

Der Online-Einstieg wendet sich an Schülerinnen und Schüler ab den Jahrgangsstufen 9/10 aller allgemeinbildenden Schulen.

Er eignet sich auch für Projektkurse der gymnasialen Oberstufe im Rahmen des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes und für fächerübergreifende Projekte. Dabei kann der Online-Einstieg als Projektauftakt zu einer Spurensuche in der eigenen Umgebung anregen.

Das Online-Angebot ist im Lernbereich Gesellschaftslehre bzw. im Fach Geschichte angesiedelt. Didaktischer Ort innerhalb des Lehrplans ist der inhaltliche Schwerpunkt: „Entrechtung, Verfolgung und Ermordung europäischer Juden, Sinti und Roma, Andersdenkender zwischen 1933 und 1945“. Als Lernvoraussetzung sollten grundlegende Kenntnisse des nationalsozialistischen Herrschaftssystems vorhanden sein.

Zeitliche und technische Voraussetzungen

Die geplante Lerneinheit mit zwei Interview-Kurzfilmen dauert zwei bis vier Unterrichtsstunden á 45 Minuten. Sinnvoll ist eine Auswertung und Vertiefung; dafür stehen Hinweise und Links bereit.

Erforderlich sind bei der Arbeit im Plenum ein Rechner mit Internet-Anschluss und ein Beamer mit Lautsprechern. Stehen mehrere Computer zur Verfügung, können die Arbeitsgruppen die Kurzfilme eigenständig mehrmals ansehen. Vorab sollen die PDF-Arbeitsblätter in gewünschter Zahl ausgedruckt werden. Eine Installation von Software oder eine Registrierung im Online-Archiv ist nicht nötig.

Bei vorheriger Registrierung können aber weitere Sequenzen aus dem gesamten Interview gezeigt werden. Ebenso können zur Erweiterung der Perspektive weitere Interviews aus dem Online-Archiv genutzt werden.

Didaktische Überlegungen

Die im Zentrum stehenden Ausschnitte aus mehrstündigen Interviews mit Judith Altmann und Bolesław Zajączkowski ermöglichen eine Begegnung mit zwei Menschen, die über ihre individuellen Erfahrungen als Zwangsarbeiterin und Zwangsarbeiter in Gelsenkirchen und Essen berichten. Sie berichten über die Vorkriegszeit in ihrer Heimat, über die Entrechtung während der Besatzung sowie die Verschleppung zur Zwangsarbeit bzw. ins Konzentrationslager.

Dieser Online-Einstieg zielt nicht auf die Vermittlung von Faktenwissen über die Geschichte der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet ab. Vielmehr bietet er eine Annäherung an das Thema Zwangsarbeit über einen biografischen Zugang und regt Fragen an, die z. B. während eines  Besuchs der Gedenkhalle Oberhausen aufgegriffen, diskutiert und beantwortet werden. Didaktisches Ziel ist das eigenständige Formulieren von Fragen sowie und die Anregung zur einer vertiefenden Beschäftigung mit dem Thema.

Die auf die Interview-Kurzfilme abgestimmten Arbeitsvorschläge unterstützen ein problem- und handlungsorientiertes Lernen. Sie orientieren sich an den Bildungsstandards und fördern die in den Rahmenlehrplänen verankerten medialen und narrativen Kompetenzen.

Vorgehen und Methode

In der ersten Unterrichtsstunde werden beide Interview-Kurzfilme im Klassenverband vorgeführt. Die Schülerinnen und Schüler notieren zu beiden Interviews Eindrücke, Gedanken und Fragen (Arbeitsblatt 1). Dieses Arbeitsblatt dient während der gesamten Unterrichtseinheit als Speicher für Fragen und soll fortwährend genutzt werden.

In der zweiten Stunde entscheiden sich die Schülerinnen und Schüler, mit welchem der beiden Interviewten sie sich intensiver beschäftigen wollen (für die spätere Partnerarbeit müssen beide Biografien gleich viele Bearbeiter haben). In Einzelarbeit rekonstruieren die Lernenden zunächst auf der Grundlage der Kurzbiografie wichtige Lebensereignisse im Leben der Interviewten und füllen den ersten Teil von Arbeitsblatt 2 aus. In Partnerarbeit erzählen sie danach die Biografie „ihres“ Zeitzeugen, begründen ihre Auswahl der Lebensereignisse und ergänzen die jeweils andere Biografie auf ihrem Arbeitsblatt. Im Plenum benennen sie dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Biografien; offene Fragen werden beantwortet oder notiert.

Wenn zwei weitere (also insgesamt vier) Unterrichtsstunden zur Verfügung stehen, können die Schülerinnen und Schüler mit einer biografischen Kartenarbeit die beiden Lebensgeschichten in Europa und im Ruhrgebiet und verorten.

Zunächst tragen die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe der Kurzbiografie die Lebensstationen „ihres“ Interviewten in die Europa-Karte des PDF-Arbeitsblatts 3 Zwei Lebenswege ein. Mit ihrem Partner ergänzen sie die jeweils andere Biografie und vergleichen diese Lebenswege miteinander. In Kleingruppen recherchieren die Schülerinnen und Schüler anschließend mit Hilfe von PDF-Arbeitsblatt 4 Lager im Ruhrgebiet und Google Maps genauer zu den historischen Orte KZ-Außenlager Gelsenkirchen-Horst, KZ-Außenlager Essen-Humboldtstraße (für Judith Altmann),  Zeche Dahlbusch, Lager Karl-Meyer-Straße oder Saalbau Schlitt (Bolesław Zajączkowski). Die Gruppen präsentieren ihre Ergebnisse gegenseitig im Plenum.

Zum Ende der Unterrichtseinheit erhalten die Schüler den Auftrag, sich ihre Notizen nochmals anzusehen und formulieren Fragen, die sie bei der Weiterarbeit – z.B. in der Gedenkhalle Oberhausen - beantwortet haben möchten. Aus der biografischen Arbeit könnten Fragen nach Haftgründen, Verfolgtengruppen, Lebensbedingungen oder Erinnerungsmustern entstehen. Die Kartenarbeit kann Anregungen für eine Spurensuche in der eigenen Stadt geben.

Vertiefung und Projektarbeit

In Projektarbeit erstellen die Schülerinnen und Schüler ein biografisches Plakat zu einem der beiden Zeitzeugen. Dazu können sie auf die persönlichen Fotos und Hintergrundinformationen zu den Haft- und Lagerorten auf der Webseite zurückgreifen und sich - nach nochmaligem Ansehen eines Interview-Kurzfilms - ein aussagekräftiges Zitat auswählen, welches ihrer Meinung nach für die Biografie steht. Die Projektgruppe präsentieren in einem Gallery-Walk (bei 4 Gruppen je 5 Minuten Präsentation) ihre Plakate und begründen dabei, warum sie sich für das Zitat und die Bilder entschieden haben. Gemeinsam reflektieren sie die unterschiedlichen Darstellungsformen und tauschen sich darüber aus, welche Wirkungen dadurch erzeugt werden.

Zur inhaltlichen Vertiefung und historischen Kontextualisierung eignet sich besonders die Lernsoftware „Zwangsarbeit 1939-1945. Zeitzeugen-Interviews für den Unterricht“, die bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellt werden kann.

Nach einer Anmeldung kann das Online-Archiv www.zwangsarbeit-archiv.de auch für Projektkurse im Rahmen des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes in der gymnasialen Oberstufe genutzt werden. Schulische und außerschulische Projekte können Spurensuchen, Archiv- und Quellenarbeit sowie eigene Interviews umfassen.

Möglicher zeitlicher Ablauf der Lerneinheit

 

Zeit

Thema

Material

Teil 1 (erste Unterrichtsstunde)

5 Min.

Einführung, ggf. Technikaufbau

Porträts auf der Startseite

10 Min.

Vorführung eines Interview-Kurzfilms im Plenum

 

5 Min.

Reflexion in Einzelarbeit

PDF-Arbeitsblatt 1 „Eindrücke, Gedanken und Fragen“ (s. Links in der rechten Spalte)

10 Min.

Vorführung des zweiten Interview-Kurzfilms im Plenum

 

5 Min.

Reflexion in Einzelarbeit

PDF-Arbeitsblatt 1 „Eindrücke, Gedanken und Fragen“ (s. Links in der rechten Spalte)

10 Min.

Auswertung im Plenum und Formulierung von Fragen

 

Teil 2 (zweite Unterrichtsstunde)

 

5 Min.

Auswahl einer Biografie

 

10 Min.

Lesen der Kurzbiografie und Klären von Verständnisfragen

PDF-Kurzbiografie

10 Min

Eintragen wichtiger Lebensereignisse

PDF-Arbeitsblatt 2: Erlebte Geschichte

10 Min

Partnerarbeit: Austausch über die ausgewählten Lebensereignisse und Ergänzen der anderen Biografie

PDF-Arbeitsblatt 2: Erlebte Geschichte

10 Min

Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Biografien. Klärung von Fragen

 

Teil 3

20 Min.

Nochmaliges Ansehen beider Interview-Kurzfilm. Notieren weiterer Eindrücke, Gedanken und Fragen.

PDF-Arbeitsblatt 1: Eindrücke, Gedanken und Fragen

 

10 Min.

Eintragen der wichtigen Lebensstationen

PDF-Arbeitsblatts 3: Zwei Lebenswege

10 Min

Ergänzung der anderen Biografie und Vergleich von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

PDF-Arbeitsblatts 3: Zwei Lebenswege

5 Min

Auswertung im Plenum und Formulierung von Fragen.

PDF-Arbeitsblatt 1: Eindrücke, Gedanken und Fragen

 

Teil 4

20 Min

Spurensuche zu einem historischen Ort

PDF-Arbeitsblatt 4: Lager im Ruhrgebiet

15 Min.

Präsentation der Ergebnisse der Spurensuche

 

10 Min.

Formulierung offener Fragen

PDF-Arbeitsblatt 5: Fragen für den Projekttag

Projekttag

Ausgefülltes Arbeitsblatt 4

Nachbereitung

15 Min.

Auswertungsgespräch

Online-Fragebogen

Vertiefungsmöglichkeiten

45 Min.

Erarbeiten eines biografischen Plakats in vier Gruppen (15 Min.). Ausstellen der vier Plakate (von Lehrkraft moderierter Gallery-Walk, pro Plakat 5 Minuten). Analysieren der Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Karton, Stifte, Schere, Kleber

Projekttage, Projektkurse

Vollständige Interviews

Andere Zeugnisse und Vor-Ort-Recherchen zur Zwangsarbeit im Ruhrgebiet

Online-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“