27. Januar 1945: Auschwitz - Befreiung und Todesmarsch

27. Januar 1945: Der Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz ist heute internationaler Holocaust-Gedenktag. Die meisten Häftlinge erlebten die Befreiung auf den Todesmärschen.

In dem folgenden Video berichten eine Zeitzeugin und zwei Zeitzeugen, wie sie die Todesmärsche von Auschwitz nach Westen erlebten und was der 27. Januar als Gedenktag für sie bedeutet.

27. Januar 1945: Auschwitz - Befreiung und Todesmarsch, Ausschnitte aus den Video-Interviews mit den drei jüdischen KZ-Häftlingen Paul S. (aus Wien/Paris), Henry G. (aus Ungarn/USA) und Liliana S. (aus Mailand), Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", Dauer 5:45 Minuten, Schnitt: Tobias Kilgus, Alexandra Neumann, © Freie Universität Berlin 2011

27. Januar 1945: Auschwitz - Befreiung und Todesmarsch

Am  27. Januar 1945 erreichte Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz und befreite rund 7.000 schwer kranke Überlebende. Zuvor waren die marschfähigen Häftlinge von SS-Wachen in Richtung Westen abgeführt worden. So erlebte der Großteil der Gefangenen die Befreiung des Lagers nicht mit, sondern befand sich bereits auf einem als Evakuierung deklarierten, grausamen Todesmarsch, bei dem viele ihr Leben verloren, oft erschossen wurden. Die Kolonnen zogen durch Dörfer und Städte; die Marschierenden starben vor den Augen der Bevölkerung.

Auschwitz steht symbolisch für den Massenmord an europäischen Juden und für das Leid von Millionen anderen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten dort und im angrenzenden Birkenau zwischen 1940 und 1945 etwa 1,1 Millionen Menschen. Der 27. Januar ist seit 1996 in Deutschland und seit 2005 weltweit ein Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Biografische Daten

Paul S., jüdischer Auschwitz-Überlebender aus Wien/Paris

  • 1924 Geburt in Wien
  • 1938 Nach dem Novemberpogrom Flucht nach Belgien, 1940 weiter nach Frankreich
  • 1941 Einweisung ins Familienlager Agde / Südfrankreich, Trennung vom Vater
  • 1942 Trennung von Mutter und Schwestern, Deportation in die Zwangsarbeitslager Tarnowitz und Schoppinitz
  • 1943 Verlegung nach Auschwitz-Birkenau
  • 1944 Zwangsarbeit für Siemens-Schuckert im Außenlager Auschwitz-Bobrek
  • 1945 „Evakuierung“ aus Auschwitz durch Todesmarsch Richtung Westen, Flucht von einem fahrenden Kohlewaggon, Rückkehr nach Frankreich
  • 1948 Heirat
  • ab 1956 Aufbau einer Firma zur Bearbeitung von Plastikmaterialien in Soisson bei Paris
  • 1965 Aussage im Frankfurter Auschwitz-Prozess
  • seit den 1980er Jahren Auftritte als Zeitzeuge in Schulen
  • 2002 Autobiographie „Le soleil voilé“ (2010 auf deutsch: "Als ich in Auschwitz war")

Henry G., jüdischer Auschwitz-Überlebender aus Ungarn/USA

  • 1930 Geburt in Chust (Tschechoslowakei, ab 1939 Ungarn, ab 1945 Ukraine)
  • 1944 Deportation nach Auschwitz, Trennung von seiner Familie
  • 1944-1945 Arbeit an einem Erweiterungsbau der Buna-Werke von IG Farben und als Maurer für SS-Bauten
  • 1945 Todesmarsch von Auschwitz über Gleiwitz nach Buchenwald
  • 1948 Auswanderung nach Israel, Heirat und Arbeit als Elektriker
  • 1958 Scheidung, Emigration in die USA, Arbeit als Immobilienmakler

Liliana S., jüdische Auschwitz-Überlebende aus Mailand

  • 1930 Geburt in Mailand
  • 1943 Verhaftung während eines Fluchtversuchs in die Schweiz, Deportation nach Auschwitz, Trennung von der Familie
  • Bis 1945 Arbeit in der Munitionsfabrik Union bei Auschwitz
  • 1945 Todesmarsch ins KZ Ravensbrück - weiter nach Malchow - Rückkehr nach Mailand und erneuter Schulbesuch
  • 1951 Heirat, drei Kinder