20. Februar 1942: Die "Ostarbeiter"-Erlasse

Am 20. Februar 1942 gab Heinrich Himmler die "Ostarbeiter-Erlasse" heraus. Sie unterwarfen über drei Millionen aus der Sowjetunion verschleppte zivilen Arbeitskräfte einem diskriminierenden Sonderrecht. Im folgenden Interview-Ausschnitt (Audio) berichtet eine Zeitzeugin, wie sie bei der Zwangsarbeit in Chemnitz als "Ostarbeiterin" behandelt wurde.

20. Februar 1942: Die "Ostarbeiter-Erlasse". Audio-Slideshow mit Ausschnitten aus dem Audio-Interview und Fotos der sowjetischen Zwangsarbeiterin Hanna Fedoriwna H., Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945". Aktuelle Fotos der Diamant-Werke: Udo Thierfelder, Dauer 4:59 Minuten, Schnitt: Tobias Kilgus, Gerda Klingenböck, Cord Pagenstecher © Freie Universität Berlin 2012

20. Februar 1942: Die "Ostarbeiter-Erlasse"

Die Nationalsozialisten betrachteten die Arbeitskräfte aus der besetzten Sowjetunion als minderwertige und politisch gefährliche Menschen, deren Arbeitseinsatz in der deutschen Kriegswirtschaft jedoch notwendig war. Heinrich Himmler, der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, gab dafür die "Allgemeinen Bestimmungen über Anwerbung und Einsatz von Arbeitskräften aus dem Osten" heraus:

"Während des Aufenthalts der Arbeitskräfte aus dem altsowjetischen Gebiet im Reich sind diese streng von der deutschen Bevölkerung, ausländischen Zivilarbeitern und allen Kriegsgefangenen abzusondern [...], in geschlossenen Lagern (Baracken) mit einer [...] möglichst mit Stacheldraht versehenen Umzäunung unterzubringen. [Sie] haben während ihres Aufenthalts im Reich auf der rechten Brustseite eines jeden Kleidungsstückes ein mit diesem fest verbundenes Kennzeichen stets sichtbar zu tragen. [...] Fälle unerlaubten Geschlechtsverkehrs [...] sind [...] durch staatspolizeiliche Maßnahmen zu ahnden und schwangere weibliche Arbeitskräfte möglichst nach dem Osten abzuschieben."

Die "Ostarbeiter-Erlasse" vom 20. Februar 1942 waren eine der wichtigsten nationalsozialistischen Verordnungen. Für über zwei Millionen "Ostarbeiter" bedeuteten sie Ausbeutung, Ausgrenzung und Demütigung.

Biografische Daten und Quellenangaben

Hanna H., Zwangsarbeiterin aus der Ukraine

  • 1923: Geburt in Meleni bei Schytomyr, Ukraine

  • 1942: Verschleppung zur Zwangsarbeit nach Deutschland

  • 1942-1945: Arbeit für die Elite-Diamant-Werke in Siegmar-Schönau bei Chemnitz / Sachsen

  • 1945: Befreiung und Rückkehr ins Heimatdorf, mit einem im Lager angenommenen Kind

  • 1946-1947: Arbeitseinsatz zu Forstarbeiten

  • 1952-1963: Hauswirtschaftliche Leiterin des Kinderheims von Meleni

  • 1964-1989: Verkäuferin in einem Haushaltswarengeschäft

  • 1989: Rente. Ein Sohn, drei Enkel und vier Urenkel.

Verwendete Fotos und Dokumente

  • Hanna H. in ihrer Küche am Tag des Interviews, 2005 (Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", za477)

  • Erfassungsfoto und Postkarte von Hanna Fedoriwna H. aus Siegmar-Schönau, 1943 (Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", za477)

  • Aufnäher mit dem OST-Abzeichen, ca. 1942 (Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", za352)

  • "Ostarbeiterinnen" mit Abzeichen, ca. 1943 (Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", za493)

  • Porträt von Hanna H., 1949 (Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", za477)

  • Die früheren Diamant-Werke Siegmar-Schönau bei Chemnitz, Vorderansicht 2011 (Udo Thierfelder)

  • Die früheren Diamant-Werke Siegmar-Schönau bei Chemnitz, Rückansicht 2011 (Udo Thierfelder)

  • Die früheren Diamant-Werke Siegmar-Schönau bei Chemnitz, Innenansicht 2011 (Udo Thierfelder)

  • Gruppenfoto der "Diamant"-Zwangsarbeiterinnen in Sonntagskleidung ohne OST-Abzeichen, 1942 (Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", za477)

  • Porträt von Hanna H., 1943 (Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", za477)

  • Hanna H. in ihrem Garten am Tag des Interviews, 2005 (Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945", za477)